Albino-Model kämpft gegen Stigmatisierung

Albino-Model kämpft gegen Stigmatisierung
In Südafrika

Nachdem Albino-Kinder für Zauber-Rituale getötet und verkauft wurden.

Thando Hopa wurde als Albino geboren. Ihre Kindheit verbrachte sie im Schatten, ihre porzellanfarbene Haut geschützt von langen Ärmeln und Sonnencreme. Doch schlimmer als die Sonne waren die Lehrer, die sie wegen ihrer Sehschwäche für geistig zurückgeblieben hielten, oder abergläubische Mitmenschen, die sie mit Vorurteilen quälten.

Dank eines liebevollen Elternhauses fand die Südafrikanerin dennoch ihren Weg im Leben, heute arbeitet Hopa als Juristin. Daneben kämpft sie als Model gegen die Stigmatisierung von Menschen mit Albinismus.

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Albinos für grausame Rituale getötet
In Afrika, wo die erbliche Pigmentstörung häufiger vorkommt, werden Albinos in manchen Regionen diskriminiert oder sogar getötet, weil selbst ernannte Zauberer ihre Körperteile für grausame Rituale verwenden. In Südafrika sind solche Gewalttaten selten. Trotzdem litt Hopa, wenn Fremde auf der Straße vor ihr ausspuckten, um Unglück abzuwenden, oder sie als vermeintliche Glücksbringerin umarmten. In der Schule machte ihr die Sehschwäche, eine Nebenwirkung des Albinismus, das Leben schwer: "Hätte meine Mutter auf die Lehrer gehört, wäre nichts aus mir geworden", erzählt sie. "Die dachten, ich sei geistig behindert."

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Model ist Staatsanwältin
Heute ist die 25-Jährige Staatsanwältin in Johannesburg, sie arbeitet nicht weit von der Kanzlei, in der Nelson Mandela in den 1950er-Jahren als Anwalt tätig war. "Ich wurde mehrmals gefragt, ob ich als Mannequin arbeiten wollte, aber ich sah keinen Grund. Ich dachte, so ein oberflächlicher Beruf - ich bin doch Juristin." Als ihr im Jahr 2012 der Designer Gert-Johan Coetzee über den Weg läuft, ändert sie ihre Meinung. "Es war meine Schwester, die zu mir sagte 'Du darfst das nicht als Modeln ansehen, sondern als Chance, die Einstellung zum Albinismus zu ändern. Denk daran, wie die Leute Dich behandelt haben.'"

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Ein Jahr später sorgte Hopa auf dem Cover der ersten Ausgabe von "Forbes Life Africa" für Furore: Das krause blonde Haar ist zu einem majestätischen Schopf getürmt, ihr Gesicht bis auf die fuchsiaroten Lippen ungeschminkt, mit ihren nahezu unsichtbaren Augenbrauen wirkt sie schon fast gespenstisch blass. "Es ist eines der schönsten Bilder von mir", sagt die zierliche Frau. "Aber ich brauchte Jahre, bis ich auf Make-up verzichten konnte."

Hopa braucht zum Lesen eine Lupe, darf nicht Auto fahren und meidet Stilettos. Ihr erster Gang über den Laufsteg war ein kleines Wunder: "Das Kleid war traumhaft - schwarz und grün. Ich habe mich noch nie so luxuriös gefühlt. Aber in Wirklichkeit hatte ich große Angst, weil es praktisch das erste Mal war, dass ich mit Absätzen ging. Ich habe sogar gebetet."

Hopa ist das dritte von vier Geschwistern. Im Elternhaus fühlte sie sich geborgen: Ihre Mutter arbeitete als Filmemacherin, und ihr Vater ließ keine Gelegenheit aus, ihr zu sagen, was für ein "wunderschönes kleines Mädchen" sie sei. Doch als sie älter wurde, haderte sie mit ihrem Außenseiter-Dasein: "Eines Tages fragte ich meinen Vater weinend: 'Warum bin ich nicht wie andere Kinder? Alle machen sich über mich lustig.' Und mein Vater sagte: 'Mein Kind, um ehrlich zu sein, als Du geboren wurdest, war ich auch schockiert.'"

Heute kann Hopa über die Geschichte lachen. "Doch damals fragte ich mich mehr denn je, ob mein Leben ohne Albinismus anders verlaufen wäre. Trotzdem könnte ich mir nicht vorstellen, anders auszusehen, auch heute nicht."

Claudine Renaud/AFP

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